Porträt

Schmuckdesigner Sedat Kantaroğlu

Film „Troja“ hat mein Leben verändert, sagt Sedat Kantaroğlu. Weil die Schauspieler seinen Schmuck trugen, wurde der Mann aus Şirince selbst zu einer kleinen Berühmtheit.

Schmuck ist mein Leben

Klein ist das Geschäft „Demetrius von Ephesus“, dessen Besitzer eigentlich Sedat Kantaroğlu heißt. Vielleicht drei Schritte breit ist es, im Inneren reichen vier, fünf Schritte, um den Raum abzumessen. Es ist voller Vitrinen mit Schmuck. Rechts neben Sedat verkauft eine Frau Ledertaschen und Porzellanteller, links gibt es Wasser in Plastikflaschen und Kinderbekleidung. Hinten im „Demetrius von Ephesus“: Ein kleine Werkbank. Dort sitzt Sedat, Tag für Tag, und macht das, was ihn ein bisschen berühmt gemacht hat: Er stellt Schmuck her. Seine Arbeiten haben Kinobesucher im Jahr 2004 auf der ganzen Welt gesehen. Im Film „Troja“ von Wolfgang Petersen. Über einem in Gold gestrichenen Schrank hängen wie zum Beweis zwei Bilder von Brad Pitt, der den Achilles spielte. „Troja hat mein Leben verändert“, sagt Sedat.

Angefangen hat die Geschichte im Jahr 2002. Im Museum des antiken Ephesos, nur 11 Kilometer von Şirince entfernt, fand eine Ausstellung über Gladiatoren statt. Waffen und Kleidung der römischen Showkämpfer waren zu sehen, und Schmuck, unter anderem von Sedat, dessen Stücke vom osmanischen Stil inspiriert sind. „Eine englische Kostümdesignerin, Jenny, besuchte die Ausstellung und kaufte kurzerhand 450 Teile für den geplanten Film 'Alexander der Große' von Oliver Stone“, erinnert sich Sedat. Das war den Produzenten aber zu teuer. Und so beschloss man, auch „Troja“ mit den Teilen auszustatten. So kam es, dass Sedats Schmuck in zwei Filmen zu sehen war, mehr noch: Auch in „Aragon“ wurden noch rund 30 Teile verwendet. „Hätte ich das gewusst, hätte ich mehr verlangt“, sagt er und lacht.

Sedat war bei den Dreharbeiten auf Malta.

Denn so oder so hat ihm vor allem „Troja“ Glück gebracht. Der Film hat ihn nach London geführt, wo er den Schmuck für die Schauspieler anpasste. Er war bei den Dreharbeiten auf Malta. Und über Sedat wurde im türkischen Fernsehen berichtet, auch im Internet war der Mann aus Şirince Thema. Immer mehr Leute wollten seinen Schmuck, Hotels und Museen meldeten sich und bestellten Nachahmungen. Nicht schlecht für einen, der eigentlich einen anderen Beruf gelernt hat: Mit 18 Jahren absolvierte beim Militär er eine Ausbildung zum Fluglotsen. „Doch schon in dieser Zeit habe ich für meine Frau und auch für meine Kameraden Schmuck angefertigt“, erzählt Sedat. In der Militärschule habe er im Monat 1200 Türkische Lira verdient, der Verkauf des Schmucks habe sein Einkommen auf 10.000 erhöht.

„Mein Großvater war mein erster Lehrer.”

Sedat Kantaroğlu

Doch wie kam es überhaupt dazu, dass er hauptberuflich Schmuckdesigner geworden ist? „Alles was ich kann“, sagt Sedat, „habe ich von meinem Großvater gelernt.“ Der habe einen Schmuckladen in Izmir besessen. Schon mit fünf verbrachte Sedat die Sommerferien dort und hat seinem Großvater geholfen. „Er war mein erster Lehrer, bis ich mit 18 dann zum Militär ging.“ 1976 schmiss er hin und eröffnete seinen eignen Schmuckladen unten im Tal in Selçuk. Dann, ab 1985, kam der Tourismus in die Gegend, dem antiken Ephesos sei dank. Sedat eröffnete Anfang der Zweitausenderjahre sein zweites Geschäft in Şirince, den Laden in Selçuk gab er irgendwann auf. Seit „Troja“ lief es auch so gut genug.

Was Sedat nicht mag, wenn ihn Leute als Goldschmied verzeichnen. Er verarbeite kein Gold, „das machen in der Türkei ja alle.“ Er will sich abheben von anderen Designern, wählt meist Silber aus und edle Steine. Teuer sind sein Stücke nicht, sie kosten umgerechnet zwischen 30 bis 500 Euro. Schmuck, das sei sein Leben, sagt Sedat, ums Geld ginge es ihm nur in zweiter Linie. 12 Stunden täglich sitzt in seinem Laden, er könne nicht ohne. Seinem Sohn hat er seine Leidenschaft vererbt: Auch er ist Schmuckdesigner, ein sehr guter, wie Sedat stolz betont. „Der Schüler hat seinen Meister längst überholt“, sagt er und nickt zufrieden.

Autor Christian Sobiella