Interview

Schauspielerin Şiir Eloğlu

Ihren Namen hat vielleicht nicht jeder gleich parat, doch Şiir Eloğlu ist eines der bekanntesten Gesichter im deutschen Fernsehen. Die Berliner Schauspielerin im Interview mit Colors of Turkey über Klischees, über Urlaube in der Türkei und warum es sie immer wieder in die Heimat zieht.

Werden die Türkei und die Türken im TV immer noch sehr klischeehaft dargestellt?

Zum Glück gibt es mittlerweile solche Serien wie „Sibel und Max“, in denen Idil Üner eine alleinerziehende Ärztin spielt. Und auch meine Rolle als Architektin in der Lindenstraße ist modern und bedient nicht das Klischee der Türkin, die nur gebrochen Deutsch spricht. Ich bin gerade in der glücklichen Situation, dass ich mir meine Rollen aussuchen kann. Ich glaube, dass es an der Zeit ist, sich von einigen Klischees zu verabschieden, auch in den Medien.

In welchen neuen Filmen können wir Sie dieses Jahr sehen?

Demnächst läuft die Doppelfolge von „Mordkommission Istanbul“. Und das TV-Movie „Goster“ von Didi Danquart soll auch noch dieses Jahr gesendet werden. Der animierter Spielfilm „Teheran Tabu“ in diesem Jahr in die Kinos kommen. Ja , ich war letztes Jahr ziemlich fleißig (lacht). Sie sind mit 4 Jahren nach Köln gekommen und dort aufgewachsen.

Waren Sie denn beim Karneval dabei?

Leider nein, was sehr schade ist. Als ich noch in Köln lebte, waren mir die vielen Leute und das ganze Geschunkele manchmal zu viel und ich bin über die Karnevalstage zu Freunden nach Hamburg gefahren. Doch seit ich in Berlin lebe, vermisse ich Karneval schon. Im Herzen bin ich wohl immer noch „en kölsches Mädche“.

Ihren Vornamen Şiir, der übersetzt Gedicht bedeutet, erhielten Sie von Ihrem Vater, einem bekannten Lyriker in der Türkei. Was haben Sie noch von ihm und was von Ihrer Mutter?

Ich bin wie mein Vater ein kreativer Mensch. Aber nachdem sich meine Eltern trennten, lebte ich bei meiner Mutter, die mich stark prägte. Meine Mutter hatte zwei Uniabschlüsse und war sehr intellektuell und mutig. Sie hat ein extrem autonomes Leben geführt und zog uns zwei Kinder in Köln alleine groß. Autonom zu leben, ist auch mir extrem wichtig.

Mit vier Jahren kamen sie nach Deutschland. Wie bezeichnen Sie sich selber? Als Deutsch-Türkin oder als Deutsche?

Mir ist Nationalität nicht wichtig. Ich habe sowohl die deutsch, als auch die türkische Kultur kennengelernt. Ich erlebe mich als einen interkulturellen Menschen und bin darüber sehr glücklich.

Wie oft reisen Sie in die Türkei?

Ich versuche, mindestens ein Mal im Jahr dorthin zu fahren und meine Verwandten zu besuchen. Strandurlaub mache ich am liebsten auf der Datça-Halbinsel unterhalb von Bodrum, weil es dort wunderschön und nicht so überlaufen ist. Im vergangenen Jahr hatte ich Glück, weil ich ein paar Wochen lang in Istanbul eine Doppelfolge von „Mordkommission Istanbul“ mit Erol Sander drehen konnte und Zeit hatte, die Stadt in vollen Zügen zu genießen, in der alle meine Verwandten wohnen.



Istanbul ist bei Touristen extrem beliebt. Haben Sie ein paar Insider-Tipps für uns?

Ich nutze die Verkehrsboote gerne zu kleinen Bosporustouren. Da kann man gemütlich aussteigen, Tee trinken, die Aussicht genießen und beim nächsten Boot wieder zusteigen. Sehr schön ist auch das Café im „Istanbul Modern Museum“ mit Blick aufs Wasser. Außerdem habe ich einen kleinen Schuhladen namens Fanfinfou gegenüber vom Corinne Hotel in der Turnacibaşi Caddesi entdeckt, indem man sich Schuhe individuell maßanfertigen lassen kann – aber das ziemlich günstig. Super ist auch der kleine Schmuckladen Mor in der Turnacıbaşı Sokak Nummer 16. Was Restaurants angeht, kann man den besten Fisch rund um den Fischmarkt essen. Und wer auf Vorspeisen steht, findet im Gelik in der Kennedy Caddesi eine riesige Auswahl leckerster Gerichte – auch, wenn das Restaurant eigentlich ein Steakhaus ist. Der Nardis Jazz Club in der Galata Kulesi Sokak unter dem Galata-Turm gehört zu meinen Lieblings-Musikadressen in Istanbul. Und ein letzter Tipp: Das ochsenblutrote Holzhaus vom Leibarzt des letzten Sultans von Konstantinopel, Hekimbasi Salih Efendi Yalisi. Dort wird man von den beiden Enkelinnen durch die prächtige Sommervilla ihres Großvaters geführt und zum Schluss zum Tee eingeladen.

Es gehen ja immer mehr Deutsche mit türkischen Wurzeln, die versuchen in der Heimat ihrer Eltern Fuß zu fassen. Wäre es auch für sie eine Option, in Istanbul zu arbeiten?

Ich glaube das wäre nichts für mich, weil ich von einigen Kollegen weiß, dass man dort sehr kurzfristig besetzt wird und daher längerer Zeit vor Ort sein muss, um schnell auf die Angebote reagieren zu können. Dann könnte ich aber nicht so oft bei deutschen Produktionen arbeiten, was ich natürlich weiterhin machen möchte.



Şiir Eloğlu – Szenen einer Karriere

Als Vierjährige kam Şiir Eloğlu von Istanbul nach Köln. Nach dem Abitur ging sie auf die Schauspielschule des Saarlandes. Erste Dreherfahrungen machte Şiir Eloğlu 1991 bei dem Kinofilm „Happy Birthday, Türke“ von Doris Dörrie. Damals spielte die heute 50-Jährige auch in ihrem ersten Tatort an der Seite von Ulrike Folkerts – gefolgt von etlichen anderen Tatort-Folgen. In ihrer Rolle als junge Assistenzärztin Dr. Nesrin Ergün wurde die Schauspielerin 1993 bis 1996 durch die Serie „Stadtklinik“ bekannt. Auch in der Lindenstraße taucht die in Berlin lebende Künstlerin ab und zu als Architektin Suna Kaya auf. Immer wieder hat Siir Eloglu auch Theater- und Kino-Engagements. So spielte sie 2011 in der Kinoproduktion „Almanya - Willkommen in Deutschland“ neben Fahri Yardim mit und 2014 in „Einmal Hans mit scharfer Soße“. Zuletzt war Şiir Eloğlu in den Fernsehserien „Die Kanzlei“ und „Der Kriminalist“ 2015 zu sehen.

Autor Gitta Schröder