3 Fragen an...

Murat Güner

Er produziert in dritter Generation Wein und ist ein echter Kenner der Branche. „Colors of Turkey“ hat Murat Güner zum Weinanbau in der Türkei befragt.

Herr Güner, wie hat sich der Weinanbau in der Türkei in den vergangenen Jahren entwickelt?

Wie gesagt haben meine türkischen Landsleute in den späten 1990er-Jahren Wein für sich wiederentdeckt – an der Ägäis wird ja eigentlich schon seit dem Altertum Wein hergestellt. Immer mehr Einheimische begannen zum Beispiel nach bestimmten Rebsorten zu suchen oder wollten etwas über Weine lernen. Das hat uns natürlich, neben dem Tourismus, in den vergangenen Jahren sehr geholfen. Das Restaurant Isabey und das Gebäude nebenan zum Verkosten der Weine, so etwas war vor 20 Jahren noch unvorstellbar.

Welche Weine bevorzugen Ihre türkischen Kunden?

Im Winter eher Rotwein, im Sommer die Weißweine. Und sehr heller Rosé ist stark im Kommen. Diese Weine aus blauen oder roten Trauben sind etwas leichter, haben weniger Säure und lassen sich auch bei hohen Außentemperaturen genießen. Bei einem Anteil von 30 Prozent am gesamten Weinmarkt wie etwa in Frankreich sind wir hier aber noch nicht.

Wie viel von der Weinherstellung nach Art Ihres Großvaters findet sich bei Sevilen noch?

Bei diesen Mengen, die wir produzieren, natürlich wenig. Unsere Trauben aber werden zum Beispiel immer noch von Hand geerntet. Die Verarbeitung ist dann hochmodern. Um gute, traditionelle Qualität trotz hohen Ausstosses zu erreichen, haben wir mit einer türkischen Universität zusammengearbeitet. Und die Fässer zur Lagerung unserer Top-Weine kommen von einer Böttcherei aus Frankreich.

Autor Christian Sobiella