Auf einen Çay mit...

Ciğdem und Matthias

Direkt neben dem Seyahan, dem ersten Schmuckgeschäft von Matthias, liegt ein kleines Restaurant. Dort hat „Colors of Turkey“ bei einem Tee mit den beiden über Istanbul gesprochen. Beide leben seit Jahren in Istanbul und fühlen sich in der Stadt pudelwohl.

Ciğdem, Matthias, ihr lebt seit fünf beziehungsweise sechs Jahren in Istanbul. Was mögt ihr besonders an dieser Stadt?

Ciğdem: Ich mag es, wie flexibel Istanbul ist. Die Möglichkeiten hier sind unbegrenzt, wenn man aus Europa kommt, die Sprache spricht und selbstständig arbeiten möchte.

Matthias: Mich fasziniert an der Stadt, wie nah unterschiedliche Welten beieinander liegen. Auf der einen Seite habe ich hier reiche und auch berühmte Menschen kennengelernt, auf der anderen Seite gibt es hier mitten in der Stadt auch ärmere Ecken. Was ich sehr mag ist, dass der Alltag hier viel angenehmer und entspannter abläuft als in Deutschland.

 

Und was nervt an Istanbul?

Ciğdem (lacht): Dass es so voll ist und so viele Menschen unterwegs sind. Und der Verkehr. Wenn man von A nach B will, muss man extrem viel Zeit einplanen.

Matthias: Kein grün.

Ciğdem: Kein grün stimmt nicht! Ich wohne ja neben dem Maçka-Park. Der ist zwar nicht sehr groß, aber wenn ich mal Bäume brauche oder viele freilaufende Katzen, dann gehe ich dort hin.

Matthias: Ich komme vom Dorf mitten im Wald. So ein Park ist zwar ganz nett, aber doch kein Vergleich! Doch der Bosporus, das Wasser, gleicht das wieder aus.

 

 

Wo wohnt ihr?

Ciğdem: Ich wohne heute im Stadtteil Şişli, er liegt eine Metrostation vom Taksim-Platz entfernt. Vorher hatte ich eine Wohnung am Galata-Turm. Als ich hierher gezogen bin, lebte auf ich auf einer herrlichen Insel vor Istanbul. Es gibt ja neun davon, fünf sind bewohnt. Ich hatte auf der größten eine Wohnung, auf Büyükada, das heißt übersetzt „große Insel“. Da war es herrlich ruhig: Es gibt dort keine Autos, nur Pferdekutschen oder Fahrräder.

Matthias: Ich wohne im Viertel Aynalı Çeşme in Beyoğlu, das liegt fünf Gehminuten von hier entfernt in einer griechischen Altbauwohnung. Dort sind auch unsere Apartments. Das ist mittendrin in Istanbul, aber gefühlt wie auf dem Dorf. Wir haben einen Bäcker, Tante-Emma-Läden, die 24 Stunden geöffnet haben, einen Metzger, einen Gemüseladen. Und wir genießen, was man in einer Großstadt oft nicht hat: Wir haben Kontakt zu unserer Nachbarschaft, auf türkisch „mahalla“.

 

Ihr vermietet zusammen mit eurer Kollegin Gülriz Ferienwohnungen. Wer hatte die Idee dazu?

Matthias: Bei mir war und ist die Motivation, unseren Gästen das zu vermitteln, was ich auf meinen Reisen selbst erlebt habe. Viel Authentizität zum Beispiel, oder den Einheimischen hier im Viertel Aynalı Çeşme in Beyoğlu nahe sein zu können. Und unsere Gäste unterstützen die örtliche Infrastruktur wie Bäcker oder die Mini-Supermärkte.

Ciğdem: Ich habe ja bis vor kurzem auch noch hier im Viertel gewohnt und hatte ähnliche Beweggründe wie Matthias. Mir ist neben der Gästebetreuung heute wichtig, dass wir unserer Putzfrau Emine und ihrem Mann Hursit, dem Hausmeister, ebenso wie wie Baran, unserem Fahrer, ein geregeltes Einkommen sichern können.

 

 

Was ratet ihr Istanbul-Besuchern?

Matthias (lacht): Nicht auf der Straße nach dem Weg fragen! Die Türken lehnen ungern ab und sind sehr hilfsbereit. Auch wenn sie das Ziel nicht kennen, würden sie irgendeine Wegbeschreibung abgeben. Das mussten wir beide erst einmal lernen.

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