Porträt

Annika macht´s möglich

Matratzen in der Badewanne, Kaffee morgens direkt am Pool – für Annika Vercauteren gibt es kaum ein Anliegen, das sie Hotelgästen nicht erfüllt.

Geht nicht gibt’s nicht

Wenn Annika Vercauteren durch die Lobby des Delphin Imperial geht, kommt sie nicht weit, ohne angesprochen zu werden. Eine Frau bedankt sich für die schönen zwei Wochen, die sie hier verbracht hat. Ein Mann stoppt, nur um zu sagen: „Super Hotel, super Frau!“ Annika scheint sie alle zu kennen. Die Belgierin ist Gästebetreuerin, als eine von sieben Festangestellten in der Hochsaison versucht sie die Wünsche der Gäste zu erfüllen, Fragen zu beantworten, manchmal zu beruhigen. Damit sie sich alles merken kann, trägt sie ein dickes Notizbuch ständig bei sich. Dort schreibt sie auch die ungewöhnlichen Wünsche der Gäste hinein. Die sie meist erfüllen kann.

Die Sache mit der Matratze

„Einmal kam ein Ehepaar zu mir. Sie erzählten mir, dass er laut schnarche und die Frau deswegen schlecht schlafe. Ich habe angeboten, dass der Mann ein anderes Zimmer bekommt. Das lehnten beide ab, sie wollten in ihrem Apartment zusammenbleiben. Ein weiteres Bett wäre auch nicht die Lösung gewesen. Also haben wir eine Matratze für die Badewanne besorgt. Dort hat der Mann eine Woche geschlafen – und das gut, wie er betonte. Man muss wissen: Die Badewanne in diesem Zimmer ist nicht sehr groß, der Mann aber war es durchaus.“

Eigentlich wollte sie als Kind Flugbegleiterin werden, erzählt Annika. Doch sie war nicht groß genug. Also hat sie in Antwerpen Tourismus studiert, anschließend arbeitete sie in einem Reisebüro. Viel telefonieren, wenig Kontakt zu Menschen – sie merkte bald: „Das ist nichts für mich.“ Seit vier Jahren arbeitet Annika in der Türkei, seit 2014 hier im Delphin Imperial in Lara bei Antalya als Gästebetreuerin. Dort gibt es zwar auch ein Büro, doch Annikas Job ist es, viel draußen unterwegs zu sein. Nur so habe sie direkten Kontakt zu den Gästen und könne etwas bewirken, sagt sie.

 

 

Die Gäste wollen ernst genommen werden

„Im vergangenen Herbst, sprach mich eine Frau an: Sie schwimme gerne früh am Morgen und freue sich dann auf einen Kaffee. Sie wolle aber nicht im Bademantel durch die Lobby laufen, um sich welchen zu holen. Im Herbst ist nicht jede Theke geöffnet draußen. Also habe ich veranlasst, dass es an einem kleinen Stand am Pool morgens jetzt auch Kaffee gibt.“ 

Spricht Annika über ihre Arbeit, schwingt immer etwas Stolz mit. Sie ist sicher: Wenn Gäste ernst genommen werden, wenn sie spüren, dass auf ihre Anregung hin auch etwas geschieht, werden sie zu Stammgästen. Sie kämen wieder mit Freunden, mit den Nachbarn. Sie kenne Paare, die sich im Hotel kennengelernt hätten, dort ihre Flitterwochen verbrachten und später mit dem Baby dort Urlaub gemacht hätten. Annika selbst hat zwei Kinder mit ihrem Mann im Alter von acht Jahren und 14 Monaten. Darum ist sie derzeit von morgens um acht bis nachmittags um vier im Hotel, Abendschichten hat sie nicht.

„Wir versuchen alles umzusetzen, manches dauert aber eben. So war es mit dem Bodenbelag auf einem Platz, an dem draußen ein Buffet aufgebaut ist. Kamen die Gäste nass aus dem Pool oder vom Meer, wurde es dort ganz schön rutschig. Einige haben das moniert. Der Belag wurde ausgetauscht, natürlich im Winter. Wir können im Sommer bei voller Belegung nicht ganze Plätze schließen.“

Aber auch das, so Annika, sei von den Gästen im folgenden Jahr bemerkt und anerkannt worden. Nur selten könne sie einen Wunsch nicht erfüllen. Wenn Gäste etwa von der Größe des Hotels ein wenig überrascht sind. „Kleiner machen kann ich´s nun wirklich nicht“, sagt Annika und lacht. Besonders am Herzen liegen ihr Alleinreisende. Für die nimmt sie sich immer Zeit, um ein kurzes Gespräch zu führen. Annika nennt so etwas eine Kleinigkeit. Nicht wenige Gäste sagen, solche „Kleinigkeiten“ hätten ihren Urlaub erst richtig schön gemacht.

Autor Christian Sobiella