Essen & Trinken

Weingut in Izmir

Rund 50 Weinsorten produzieren die Güners in Izmir, vom Tafel- bis zum Spitzenwein. Den Grundstein für das heutige Unternehmen legte Großvater Isa vor über 70 Jahren.

Es bleibt in der Familie

Sabri, Rasim, Enis, Cem und Murat – das sind die Vornamen der heutigen Winzer und Manager aus der Familie Güner, die das Weingut „Sevilen“ leiten. Obwohl der Begriff „Weingut“ schon längere Zeit zu kurz greift: Die Güners haben in drei Generationen ein Unternehmen aufgebaut, das insgesamt 150 Hektar Fläche bewirtschaftet und in zwei firmeneigenen, hochmodernen Großkeltereien im Jahr 8,5 Millionen Liter Wein in 10 Millionen Flaschen abfüllt. 110 Angestellte arbeiten für Sevilen, in der Erntezeit kommen nochmal 50 Helfer dazu.

Großvater Isa hatte den richtigen Riecher.

„Wir erzeugen Tafelweine, aber auch Spitzenweine“, sagt Murat Güner beim Essen im piekfeinen Restaurant „Isabey“, das zum gleichnamigen Weingut in Menderes bei Izmir gehört. „Hier hat alles angefangen“, erzählt Murat. Es war 1942, als sein Großvater Isa das Land kaufte und die ersten Reben pflanzte. Geboren als Türke in Bulgarien, wollte er eigentlich ins Bier- oder Rakigeschäft einsteigen. Er erkannte aber das Potenzial der Türkei als Weinland. Isa ging nach Frankreich, erlernte den Beruf des Winzers, kehrte zurück und baute auf vier Hektar Wein an. Einige Olivenbäume stehen zwischen den Reihen der Rebstöcke, auch sie hat noch Isa angepflanzt, zur Eigenversorgung der Familie damals – sie zu fällen kommt für die Güners nicht infrage.

In den 1960er-Jahren dann haben sich Murats Vater Gokhan und dessen Bruder Coskun zusammengetan. Sie kauften immer mehr Fläche, um Wein anzubauen, Grundstock für die dritte Generation um Murat, die seit 1995 verantwortlich ist. 95 Prozent des Weins verkauft Sevilen innerhalb der Türkei. „Zum einen an Hotels. Der florierende Tourismus in der Türkei hat uns sehr geholfen“, erklärt Murat. Zum anderen seien seine türkischen Landsleute in den vergangenen Jahren immer mehr auf den Geschmack gekommen. Der Rest der Sevilen-Weine geht unter anderem in die USA, nach England, Deutschland und sogar China.

Chardonnay, Cabernet Sauvignon – französische Rebsorten für Wein aus der Türkei.

Um mit französischen Weinen mithalten zu können, haben die Güners den Franzosen Florent Dumeau als Winzer engagiert. Dumeau stammt aus der Bordeauxregion. Er hat das Angebot von Sevilen um französische Rebsorten und Weine erweitert. Über 50 verschiedene Weine keltert das Unternehmen heute, unter denen nicht wenige Spitzenweine sind. Auf den rund 90 Hektar um Izmir herum herrscht ein warmes, mediterranes Klima – ideal für Tischweine. Auf den 60 Hektar in Denizli auf dem anatolischen Plateau ist das Wetter fast wie wie im Rhonetal – es ist im Sommer nur trockener. Hier hat Florent Dumeau den Güners verordnet, Spitzenweine zu erzeugen: Chardonnay, Merlot, Shiras oder Cabernet Sauvignon. Und Rosé-Wein, denn der wird immer beliebter.

 

 

Einer, der mit einem Lachen behauptet, alle der Sevilen-Weine probiert zu haben, ist Mehmet Ali Karamancı. Der 28-jährige Sohn des Besitzers der Melas-Hotelgruppe sitzt mit am Tisch im „Isabey“ und ist zuständig für den Einkauf von Essen und Getränken der Hotels, also auch für den Wein. Er sagt: „Es ist wichtig, die Erzeuger der Produkte zu kennen.“ Darum sei er heute hier. Die Weine von Sevilen beziehen sie seit Jahren – auf Wunsch der Gäste. Man habe selbst viel probiert und an der Weinkarte getüftelt, sagt Mehmet Ali, der in Deutschland und Italien studiert hat. Letztlich schmeckten den Hotelgästen die Weine von Sevilen einfach am besten.

Die nächste Generation steht schon bereit.

Fragen die Kunden vermehrt nach Weinen in Bio-Qualität? „Nein“, sagt Murat, „aber das müssen sie auch nicht. Wir produzieren schon immer nach hohen landwirtschaftlichen Standards, auch ohne Bio-Siegel .“ Es klingt ein wenig Stolz mit, als er das sagt. Dann hebt er das Glas, prostet den Gästen am Tisch zu: „Şerefe!“ Murat führte den Familienbetrieb weiter, auch in der nächsten Generation wird das so sein. Einige der jungen Güners arbeiten sich schon ein.

Autor Christian Sobiella