Kultur

Street Art in Istanbul

Die Türkei steht für den Zauber des Orients, für Urlaub am Strand, exotische Basare oder für gutes Essen. Besucher von Istanbul aber wissen längst: Hier findet man auf den Straßen auch die Arbeiten einer außergewöhnliche engagierten Kunstgemeinde. Die Rede ist von Street und Urban Art: In kaum einer Metropole auf der Welt gibt es so viele Graffiti wie in der Stadt am Bosporus.

Ab 2009 gab es hier drei Jahre lang sogar ein Street Art Festival im europäischen Galata-Viertel, ins Leben gerufen von Pertev Emre Taştaban, selbst Sprayer, Radio-DJ und Regisseur. Auch auf der asiatischen Seite, im Stadtteil Kadıköy, ist Street Art als Kunstform gesellschaftsfähig: Jedes Jahr stellt das „Mural Istanbul Festival“ mithilfe einer Stiftung für Street-Art-Künstler aus der ganzen Welt graue Hauswände parat, die diese dann mit beeindruckenden, mehreren Metern hohen Gemälden verschönern. Neben Dürüm, Cay oder Güle Güle kann man sich also für den nächsten Aufenthalt in der Türkei einen neuen Begriff einprägen: Sokak Sanatı, türkisch für Street Art.
Noch ein Tipp für Istanbul-Reisende: Vor allem an der Einkaufsstraße İstiklâl und in deren Seitengassen finden sich beeindruckende Kunstwerke, oft in Auftrag gegeben von den ansässigen Geschäften oder von Bauherrn, die die Umzäunung ihrer Baustellen zur Verfügung stellen.

Kunst an jeder Ecke

Am häufigsten zu sehen sind wohl die Werke von Mr. Hure. Im Old-School-Style sprüht er unter anderem für viele Geschäfte. Er sagt: „Eine Farbe allein ist nicht glücklich. Ich muss Farben glücklich machen.“

Leo Lunatic ist berühmt für seine ironischen Pandas. Von der britischen Zeitung „The Guardian“ wurde er als einer der besten Street-Artkünstler der Welt ausgezeichnet.

Teo Skaffa ist eindeutig Katzenliebhaber. Der Illustrator und Zeichner findet, er sollte mit seinen Werken im „kryptischen und dunklen“ Manga-Stil längst in Japan berühmt sein.

Omeria hat in der Mimar Sinan Universität der schönen Künste im Istanbuler Stadtteil Fındıklı studiert. Er kann den typischen Graffiti-Stil, sprüht zum Teil aber auch beeindruckende fotorealistische Werke.

Turbo Tunç Dindaş gilt als Urvater der Graffiti-Szene in der Türkei. Vom Hip Hop inspiriert, sprayed er seit 1985 professionell. „Ich brauche nichts außer einer leeren Wand“, sagt er.

Mr. Besk war ebenfalls Student an der Mimar Sinan Universität der schönen Künste. Er gehört der S2K-Crew um Omeria und Turbo Tunç Dindaş an.

Gölge Artizm stammt aus Hamburg und lebt heute in Izmir. Das Markenzeichen des ehemaligen Tätowierers: Er arbeitet mit der Airbrush-Methode.

 

Das coole Ei ist von Nconen, der eigentlich in İzmir lebt. Er malt auch mit Öl auf Leinwand und ist gefürchtet für sein Street Bombing – schnelle, illegale Graffitis auf Mauern und Wänden.

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