Kultur

Hinter den Kulissen

Von der Küche bis zur Wäscherei – in einem großen Hotel arbeiten hunderte Menschen. Die meisten davon bekommen die Gäste gar nicht zu Gesicht.

In der Küche geht es gerade etwas ruhiger zu. Chefkoch Orhan Ergilmaz hat Zeit, die Ergebnisse seiner Arbeit zu erklären. Käse. Wurst. Rührei. Tomaten. Brote. Brötchen. Quark. Joghurt. Äpfel. Man könnte 300 dieser Begriffe hinschreiben, dann hätte man alle Produkte genannt, die ein Gast im Sherwood Breezes Resort in Lara bei Antalya am Frühstückbuffet vorfindet. Rund 90 Platten mit verschiedenen Auflagen richten Hüseyin und seine Kollegen später fürs Abendessen her, dazu kommen 110 Salatschüsseln. Aus 40 unterschiedlichen Gerichten können die Gäste abends wählen. In der hoteleigenen Bäckerei bereiten sie Kuchen und Süßwaren zu, natürlich auch Brote und Gebäck. Auf 60 verschiedene Produkte kommen die Bäcker und Pâtissiers. In der Hochsaison ist das jeden Tag so.

Fast alle Lebensmittel kommen aus der Türkei

Seit zwei Jahren ist Hüseyin hier Küchenchef. Als Student jobbte er als Pizzabäcker, erzählt er, anschließend absolvierte er eine Ausbildung zum Koch. Hüseyin ist einer von insgesamt 420 Angestellten im Sommer, die dafür sorgen, dass die Gäste sich rundum wohlfühlen. Die aber sollen nichts mitbekommen vom geschäftigen Treiben hinter den Kulissen des Hotels.

Sie wissen zum Beispiel nichts von den knapp 20 Kühl- und Lagerräumen im Keller, deren Herr Mehmet Nurtan ist. Hier befinden sich die Lebensmittel – unzählige Mehltüten, riesige Gläser mit Oliven, Kaffee, Tee, Getränke, Kanister mit Olivenöl, Kartoffelsäcke – fast kurz alles, was das Hotel zur Versorgung der Gäste braucht. Mehl zum Beispiel brauche man zwei Tonnen im Monat, sagt Mehmet. Fast alles sei aus der Türkei, fügt er stolz an, nur bestimmte Biersorten und manche Spirituosen importiere man aus anderen Ländern.

Im Keller befindet sich auch das Lager mit den Sachen, die Gäste vergessen haben. „Manche bemerken den Verlust eines Koffers tatsächlich erst nach zwei Monaten“, sagt Manager Hakan Arslanoğlu, der seit knapp zwei Jahren das Hotel führt. Wertvolles bewahre man auch viele Jahre. Er habe in einem anderen Hotel in Belek schon erlebt, dass sich eine Frau nach neun Jahren wegen eines Rings gemeldet habe – der sich tatsächlich noch im Tresor des Hotels befand.

 

 

Ein Hotel in Zahlen

Ist das Sherwood Breeze Resort ausgebucht, wohnen dort rund 1200 Gäste. Jeder von ihnen isst im Schnitt täglich 4,3 Kilogramm Lebensmittel und nimmt 3 Liter Getränke zu sich. Das summiert sich zu imponierenden Gesamtzahlen. Hier einige Beispiele, wie viele Lebensmittel im Hotel pro Jahr verarbeitet werden:
750.000 Eier, 20 Tonnen Reis, 65 Tonnen Milch, 40 Tonnen Joghurt, 65 Tonnen Rind- und Lammfleisch, 165 Tonnen Geflügel, 495 Tonnen Obst und Gemüse.

Das Wasser wird wieder aufbereitet

Nach einem langen Flur hinter einer hohen Tür verbirgt sich die Anlage zur umweltfreundlichen Aufbereitung des Brauchwassers. „Das Wasser hier verschwindet nicht in einem Abwasserkanal, sondern wird gefiltert und fast komplett wiederverwendet“, erklärt Technikchef Musa Kula. Es wird auf 60 Grad mithilfe einer Erdgasanlage, die auch den Strom erzeugt, erhitzt und bis zu 35 Meter in die höchsten Zimmer gepumpt. Auch zur Bewässerung des Hotelrasens wird Brauchwasser verwendet. Oder für die Klimaanlagen. Und für die Duschen. Da kommt einiges zusammen: An einem sonnigen Sommertag werden 400.000 Liter Wasser verbraucht.

Ein paar Türen weiter: die Wäscherei für die Bekleidung der Angestellten. Zwei Garnituren hat jeder Mitarbeiter, die täglich gewechselt werden. Hier wird 24 Stunden am Tag rund um die Uhr gearbeitet. Es ist heiß hier, trotz Klimaanlage. Diese Mitarbeiter hätten den härtesten Job, sagt Hakan Arslanoğlu. Die vier Tonnen Wäsche, die von den Hotelgästen in einer Saison insgesamt anfallen, werden zu einem externen Dienstleister gefahren. „Erstaunlicherweise sind es die älteren Gäste, die zum Beispiel ein Handtuch mehrmals benutzen wollen“, sagt Hakan zum Thema Umweltschutz. Die Jüngeren seien da sorgloser und wollten jeden Tag frische Handtücher. Immerhin drei Handtücher pro Gast und Tag sind eingerechnet: Eins ist im Zimmer, eines gerade in der Wäsche und eines als Ersatz.

 

 

Ein Hotel in Zahlen

50 Prozent der Bier- und Teegläser überstehen eine Saison nicht. 4 Tonnen Schmutzwäsche fallen pro Tag an. 30.000 Kilowattstunden beträgt im Sommer der tägliche Stromverbrauch. 4000 neue Handtücher werden jedes Jahr benötigt. Teils, weil sie zu alt sind, 400 „verschwinden“. 20.000 Frottee-Latschen werden im Jahr gebraucht. 33.000 Seifenfläschchen jährlich benutzen die Gäste. Und schließlich: Pro Jahr werden 13 Prozent des Bestecks neu gekauft. Die Gründe: Verschleiß – und weil sich manche Gäste gerne ein Set für zuhause „zusammenstellen“.

Doppelte Kontrolle

Ein paar Stockwerke höher arbeitet Necla. Sie ist eine von 30 Angestellten, die für die Sauberkeit in den Zimmern zuständig sind. 507 davon gibt es im Sherwood Breezes Resort, etwa 20 säubert Necla in ihrer Schicht. Knapp 30 Minuten hat sie für ein Zimmer Zeit. Ziehen neue Gäste ein, dann braucht sie eine Stunde – Bettwäsche komplett wechseln, Minibar auffüllen, neue Seifen bereitstellen, nochmal alles doppelt kontrollieren. Die Handtücher wechselt Necla natürlich auch.

Unten im Keller nimmt derweil Chefkoch Orhan Ergilmaz eine Lieferung mit Obst, Früchten und Salate. Die kämen teilweise täglich frisch, seine Aufgabe sei die Qualität zu kontrollieren. Das macht er auch bei Fleisch und Fisch, beides kommt einmal die Woche hier unten an und wird in den Kühlräumen des Hotels gelagert. Ob er für sich selbst kocht, wenn er so viele Stunden täglich mit Essen zu tun hat? Ja sagt, Hüseyin und lächelt, er mache sich gerne die typischen weißen Bohnen. Eine Antwort, die fast jeder hier im Land gegeben hätte.

Autor Christian Sobiella